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Hoffnung

Sie blickt aus ihrem Fenster auf die Straße die vor ihrem Haus vorbeiführt. Eine Gruppe lärmender Kinder wirft auf offener Straße einen Ball von einer Seite zur anderen. Als ein Auto kommt, schreien sie laut, lachen und rennen auf den Gehweg. Ihr fällt auf, wie geschickt der Junge mit dem Ball die anderen Kinder abhängt und denkt daran, wie wenig sie sich selbst bewegt.

Sie reibt sich die Augen,  atmet laut aus, dreht sich um und schaut am Herd in den Topf, in dem das Wasser köchelt. Sie ist müde, obwohl sie heute lang im Bett lag. Erst als sie ihre Tabletten genommen hatte, konnte sie sich aufraffen und aufstehen. Sie fühlt sich wieder wie benebelt. Zum Duschen fehlt ihr heute die Energie.

Während sie das Pulver für die Fertigsuppe ins Wasser gibt, fällt ihr ein, dass sie heute Nachmittag wieder zum Arbeitsamt muss. Sie muss sich melden, zeigen wo sie sich beworben hat. Sie  meldet sich dort seit einigen Jahren alle paar Wochen, und immer hat sie ein paar Bewerbungen geschrieben. Immer nur Absagen bekommen. Einmal hat sie einen Praktikumsplatz gehabt, dort hat sie es aber nicht lange ausgehalten. Es war nicht das Richtige für sie. Langsam weiß sie nicht mehr, wo sie sich noch bewerben soll. Die Frau beim Amt macht ihr Mut, sagt, dass sie dranbleiben muss, sie wird schon noch etwas finden, die Hoffnung auf einen Job nicht aufgeben, sich nicht abschreiben. In den Augen der Frau liest sie, dass sie selbst nicht daran glaubt. Trotzdem lächelt sie und sagt, ich bleibe dran. Sie kann nicht anders, sie lebt vom Amt.

Während sie alleine an ihrem Couchtisch sitzt und ihre Suppe löffelt, sieht sie im Fernsehen eine Talkshow, in der es um Menschen  geht, die nicht arbeiten wollen. Es wird über die geschimpft, die nichts tun und nur den Staat ausnutzen. Sie denkt über das Telefongespräch nach, dass sie vor einigen Wochen geführt hat. Diese Frau aus der Personalabteilung stellte seltsame Fragen. Sie wolle Genaueres über sie und ihre gesundheitliche Situation erfahren. Sie erzählte ihr von sich und von ihrer Gesundheit. Die Frau stellte immer mehr Fragen. Das wurde ihr irgendwann so unangenehm, dass sie die Frau fragte, was sie eigentlich von ihr wolle. Die Frau sagte dann, dass sie sich wieder melden würde, vielleicht. Natürlich hat sie sich nicht gemeldet.

Sie packt ihre Sachen, ordnet alles in eine Plastiktüte und macht sich auf den Weg. Im Aufzug begegnet ihr ein Nachbar. Nervös flattert dessen Blick umher, er weiß nicht wo er hinschauen soll. Auf seinem Gesichtsausdruck kann sie Hilflosigkeit und auch Mitleid erkennen. Sie sagt etwas über das Wetter, er antwortet nicht, lächelt nur angespannt.

Als sie vor ihm durch den langen Flur zum Ausgang rollt, denkt der Nachbar, mein Gott die arme Frau, nur ein Bein und sitzt im Rollstuhl. Solche Menschen darf man nicht abschreiben, sie hat doch auch eine Chance verdient.

Sie dreht sich um und lächelt ihn an.

Ein bißchen verlegen lächelt er zurück.

23.9.13 21:25

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Gitta (3.10.13 11:36)
Interessant wie schckierend das Ende wirkt!

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