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Wut

Sie nimmt einen tiefen Zug aus ihrer Menthol-Zigarette und spürt wie der Rauch durch ihren Mund immer weiter nach unten in die Lunge zieht.
Entspannung macht sich langsam in ihr breit als sie den Rauch langsam wieder ausatmet. Sie streicht sich durch ihr kurzes schwarzes Haar und merkt dass es noch
feucht vom Schweiß ist.
Während sie auf der Fensterbank ihrer Ein-Zimmer-Wohnung im 4. Stock eines Berliner Plattenbaus lehnt
und das nahende Morgengrauen über der kalten, grauen Stadt beobachtet,denkt sie an die vergangene Nacht zurück.
 
Es kam nicht oft vor, dass sie an einem Abend in ihrer Stammkneipe von einem fremden Mann, noch dazu einem attraktiven Mann, angesprochen wurde.
Es schmeichelte ihr, dass er Gefallen an ihr gefunden hatte und dass er das auch deutlich zeigte.
Bitter denkt sie an sein Lachen zurück, als sie ihm erzählte, dass sie Vegetarierin sei. "Dann muss ich Dir wohl einen Gemüsegarten pflanzen"
hatte er gelächelt, und ihr mit seinen hellblauen Augen zugezwinkert.
Sie tanzten, obwohl es keine Tanzfläche gab, schoben die Leute an der Bar einfach weg und
amüsierten sich darüber, wenn die ihnen befremdete Blicke zuwarfen.
Sie tranken, probierten die Biersorten der Bar durch, die sie schon alle vorher kannte, die aber mit ihm ganz neu und ganz anders schmeckten.
Für einen Moment war sie verliebt. In ihn, in das Gefühl dass er ihr gab, das Gefühl, begehrt zu sein. Sie genoss es, alles andere und ihr Leben vergessen zu können.
Er zog sie dann, nach Mitternacht, hinaus aus der Tür der Bar. Sie liefen zwischen den Autos hindurch in Richtung der Schrebergartensiedlung gegenüber.
"Ich zeige Dir Deinen Gemüsegarten" flüsterte er ins Ohr und sie kicherte albern. Sie rannten an ein paar Betrunkenen vorbei, die zwischen den Trümmern einer Baustelle
standen und  die ihnen mit halbleeren Bierflaschen zuprosteten. Sie sah alles wie durch eine Wolke, irgendwie nebelig. Sie lachte.
 Als sie in einen dunklen Pfad einbogen, an dessen Ende ein kleines Haus stand, stockte ihr Lachen.
"Wo gehen wir hin? Komm, ich will zurück in die Bar". Er strich ihr durch das Haar."Komm mit. Vertrau mir." Seine Hand an ihrem Arm griff stärker zu, so dass es sie
fast schmerzte.
Sie zog ihn ein paar Meter zurück. Er lehnte sich in die andere Richtung. Er war stärker, riß an ihr und seine Augen blickten sie auf einmal kalt und leer an.
."Ich will jetzt zurück". Sie bekam eine Gänsehaut
"Nein". Er kam schnell mit zwei großen Schritten näher an sie heran, drehte sie um, schlang seine Arme um ihren Bauch. Sie spürte seinen Atem an ihrem Ohr.
"Du bleibst hier bei mir".
Sein Griff war wie Stahl, sie versuchte sich zu bewegen, doch es ging nicht. "Lass den Mist" rief sie aus und es klang trotzig. Sie spürte, wie langsam eine ihr bekannte
Mischung aus Angst und Wut in ihr hochstieg. Ihre Mukeln spannten sich an.
Er antwortete nicht, atmete laut und schob sie gegen die Wand des kleinen Hauses. Sie spürte wie sich alles in ihr anspannte und wie sie klarer sah.
Während er ihren Hals küsste, entdeckte sie direkt vor sich ein Brett, das lose gegen die Wand der Hütte lehnte.
Dann ging auf einmal alles ganz schnell. Ein Tritt mit ihrem Fuß gegen sein Bein. Seine Arme lockerten sich, sie riss sich los,
griff nach dem Brett und schlug zu. Schlug wieder und wieder zu.
sie rannte so schnell sie kann, die Betrunkenen johlten, sie drehte sich nochmal um, sah seine Umrisse, wie er da lag, sah das Blut an ihren Händen.

Sie nimmt wieder einen Zug Menthol, schnippt den Zigarettenstummel aus dem Fenster. Sie ist jetzt ganz ruhig. Sie hat das Richtige getan.
Es gibt ein Gelübde, ein Versprechen dass sie sich selbst gegeben hat.Nie wieder würde ein Mann sie so anfassen. Nie wieder.
"Nicht mit mir".


23.9.13 21:31

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ΞĻ CФmmandante / Website (23.9.13 21:39)
du hast literarisches talent viel mit wenig entstehen zu lassen. bilder.

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