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Anders? - Ein Märchen

Es war einmal vor einigen hundert Jahren in einem entfernten Land ein kräftiger und junger Mann. Er lebte zufrieden auf einem kleinen aber feinen Bauernhof  der abgelegen und weit weg vom nächsten Dorf  ganz oben auf einem grünen Hügel stand. Er arbeitete tagein, tagaus bei den Tieren auf dem Hof, bürstete die Pferde, scherte die Schafe, melkte die Kühe und fütterte die Hühner. Er war auch handwerklich begabt, konnte allerhand bauen und reparieren.  Er war dem alten Bauern ein besonderns fleißiger Helfer, da er sich nie vor einer Aufgabe scheute und immer fröhlich bei der Arbeit war. Schließlich, nach einigen Jahren, war er gut ausgebildet und der alte Bauer rief in zu sich in die Stube, wo das Feuer im Kamin knisterte. „Du bist nun bereit, in die Welt hinaus zu ziehen“ sprach er mit t iefer Stimme  in seinen weißen Bart hinein. „Du hast nun alles gelernt, was ich Dir beibringen konnte. Es ist Zeit, dass Du andere Länder siehst und andere Menschen triffst. Mit Deinem Können und Deiner Schaffenskraft wirst Du überall Arbeit finden“. Ein Schatten huschte ganz kurz über sein Gesicht als er sagte: „Das Wichtigste aber ist: Lass Dir niemals, hörst Du, niemals einreden dass Du schlechter bist als die anderen, nur weil Du anders bist. Du bist wie Du bist, bleib genauso“. Der junge Mann verstand nicht. Warum anders? Was meint der alte Bauer? Er verwarf den Gedanken und strahlte den alten Bauern an. Er war aufgeregt und freute sich auf die nächste Woche, in der seine Wanderschaft in ein neues Leben beginnen würde.

 

Am Tag der Abreise stand er früh auf, packte seinen Beutel mit einer warmen Decke, etwas Brot, Milch und getrocknetem Schinken, umarmte den alten Bauern und versprach ihm irgendwann einmal zurück zu kehren, zu ihm und den Bauernhof, den Tieren, auf den grünen Hügel, wo er seine Kindheit und Jugend verbracht hatte.

Die ersten sechs Tage seiner Reise wanderte er durch grüne Täler und über zahlreiche Hügel, er traf auf viele Kühe, von denen er Milch bekam, auf Hühner, die ihm Eier gaben und auf Schafe, die ihm in der Nacht Wärme spendeten. Er war glücklich, denn er litt keinen Hunger und hatte die Tiere als Gesellschaft. Er traf keine Menschenseele.

Am siebten Tag kam er in der großen Stadt an und blieb staunend vor dem riesigen hölzernen Tor stehen. Überall waren Menschen, es war laut und es roch nach vielerlei Gutem und Schlechtem. Sein Blick traf sich mit einigen unter den Menschen, er lächelte sie an, doch alle blickten sie schnell wieder weg. Er beschloß, sich erst einmal in der Stadt umzusehen und ging entschlossen auf die zwei Wächter zu, die Aufsicht über das Tor hielten. Der eine hatte eine riesige Nase, der andere einen Buckel. „Lasst mich ein, ich suche Arbeit“ rief er Ihnen zu. Schnell bemerkte er ihre Blicke auf seinem Gesicht und ihr hämisches Grinsen, bis der mit der riesigen Nase sprach: „Na dann viel Erfolg“. Er lachte laut und der andere fiel in sein Gelächter  ein. Der junge Wanderer fragte verwundert nach dem Grund für ihre Heiterkeit und bekam von dem mit dem Buckel zur Antwort „Schau doch in den Spiegel, dann weißt Du es.“

 

Er grinste in sich hinein, als er durch das Tor ging, denn die beiden waren nicht gerade von Schönheit gesegnet. Schnell verwarf er die Erinnerung an ihren Spott und ging geradezu auf den Marktplatz der großen Stadt. Überall wurden Waren von Händlern von nah und fern  angeboten: Stoffe in leuchtenden Farben, knuspriges Brot, würziger Käse, süße Mandeln und vieles mehr. Sogar Schafe gab es zu kaufen. Er staunte ncht schlecht und schlenderte zwischen den Ständen umher. Es roch mal süß und mal nach Kuhmist, dann wieder nach Rosen und im nächsten Moment nach dem würzigem Käse. Der junge Mann war beeindruckt von alledem. Als er eine Frau erblickte die laut verkündete, dass sie wunderschöne Spiegel verkaufe, erinnerte er sich an die Worte der Torwärter und lief zu dem Stand hinüber. Nie zuvor hatte er einen Spiegel erblickt und nun war er neugierig. Was hatten die beiden Wächter gemeint? Die Verkäuferin wich zurück als er herantrat und seinen Blick zu einem der Spiegel senkte. Als er sein eigenes Abbild sah, erstarrte er. Er blickte in ein enstelltes Gesicht, in dem sich ein großer Riss, der in einer Narbe endete vom Mund zur Nase zog. Sein Gesicht sah nicht so aus, wie die Gesichter der anderen, es war wie verzerrt. Die Tränen traten ihm in die Augen als ihm bewusst wurde, dass dies tatsächlich  sein Gesicht war und dass deswegen die Menschen vor ihm zurückwichen, dass deswegen die Wärter über ihn gelacht hatten. Er sah den ängstlichen Blick der Verkäuferin auf sich ruhen, drehte sich um und rannte davon, so schnell er nur konnte. Auf der Suche nach einem Versteck rannte er in eine Gasse, die vom Marktplatz führte und in die nächste und in die nächste. Schließlich, in einem einsamen, kleinen Gäßchen angekommen, setzte er sich auf den blanken Boden und lehnte sich an eine Hauswand. Er weinte und weinte und weinte. Wie sollte er so eine Arbeit finden?

 

Irgendwann musste er eingeschlafen sein, den als er die Augen aufmachte, wurde es schon wieder hell in der Stadt. Wenigstens war sein Beutel noch da. Er versteckte ihn hinter einem losen Stein in der Wand und dachte nach. Ihm wurde wieder  klar, dass er eine Arbeit suchen musste. Seine Vorräte, an denen er zum Frühstück knabberte gingen zuneige und er brauchte einen Ort, an dem er schlafen konnte. Sehnsüchtig dachte er an die warme Stube und den gütigen Blick des alten Bauern zurück. Er nahm sich vor, den Anblick seines Gesichtes im Spiegel zu vergessen. Er besann sich auf seine Fähigkeiten, seine gute Ausbildung und seinen kräftigen Körper und machte sich auf den Weg zurück Richtung Marktplatz. Auf dem Weg traf er auf einen Mann mit einem großen braunen Schlapphut, der ein paar Steine zu einem Platz schleppte, wo ein Haus genaut wurde. Er nahm seinen Mut zusammen, lief auf ihn zu und sprach ihn freundlich an „Guter Mann, ich suche eine Arbeit. Ich bin kräftig und scheue mich vor keiner auch noch so anstrengenden Aufgabe“. Der Mann mit dem Schlapphut blickte ihm ins Gesicht, zuckte zurück  und schüttelte nur den Kopf. „Wir haben genug Helfer. Mach dass Du weiterkommst“. Enttäuscht und mit gebückterem Kreuz als zuvor  lief der junge Wanderer weiter. Einige Gassen weiter traf er auf einen alten, humpelnden Hufschmied, der gerade ein Pferd in einen Stall führte. „Guter Mann, ich suche Arbeit und kann Ihnen hier zur Hand gehen. Ich bin kräftig und handwerklich geschickt. Mit Pferden kenne ich mich gut aus“. Der Mann hielt inne, blickte in Gesicht seines Gegenübers und murmelte während seine Augen ärgerlich blitzten: „Ich will mir doch die Kunden nicht vergraulen. Verschwinde hier“. Verletzt und mit hängenden Schultern lief der junge Wanderer weiter und  blieb bei einem Mann stehen, der den Platz vor der Kirche mit einem großen Besen fegte. Auch diesen sprach er an: „Guter Mann, ich suche Arbeit. Ich bin kräftig,  kann allerlei reparieren und kann gut saubermachen“. Der Mann mit dem Besen hob seinen Kopf und bekreuzigte sich, als er den jungen Mann erblickte. „Nein, wir haben keine Arbeit für Dich“ raunzte er ihn an, drehte ihm den Rücken zu und fegte weiter.

So verging der Tag und wen er auch nach Arbeit  fragte, so bekam der junge Mann nur Absagen von den Menschen. Immer zuckten sie vor ihm zurück. Bald begriff er, dass zwar er selbst seinen Anblick vergessen konnte, die anderen Menschen konnten das aber nicht. Mit jeder Antwort die er bekam, wurde seine Haltung etwas gebeugter und sein Selbstbewusstsein schwand von Stunde zu Stunde.

 

Erschöpft und traurig saß er als es abends dunkelte wieder in der einsamen Gasse auf dem Boden und aß sein letztes Stückchen Brot. Der Wind pfiff durch die Häuserschluchten und er deckte sich mit seiner warmen Decke zu. Er war verzweifelt und überlegte, was er wohl am nächsten Tag tun sollte. Er wusste nicht ein noch aus, und er hatte genug von den angewiderten Blicken der Menschen.  Er lies den Kopf hängen und blickte auf den schmutzigen Boden unter sich als er mit einem mal aus dem Augenwinkel ein kleines Männchen mit einer Laterne, die langsam vor ihm herschwankte, auf sich zuschlurfen sah. Er hob den Kopf und betrachtete das Männchen genauer, wie es sich langsam auf ihn zubewegte. Außer der Laterne hatte es noch ein schmutziges Stoffbeutelchen auf dem Rücken dabei und trug einen riesigen weißen Bart im Gesicht, unter dem man die kleinen Äuglein kaum sah. Die weißen Haare standen ihm in alle Richtungen zu Berge, seine Kleidung war wohl einmal elegant gewesen, aber inzwischen alt und zerfetzt.

 Als das Männchen bei ihm angekommen war, blickte es ihm offen ins Gesicht und der junge Mann erkannte, dass der Mann zwar alt, aber seine Augen hellwach und klug waren. „So allein in dieser finsteren Gasse? Fürchtet Ihr euch denn nicht?“ sprach das Männchen ihn an und der junge Wanderer erkannte nichts als ein freundliches Lächeln in den Augen seines Gegenübers. Der junge Mann schluchzte auf und war froh, nach diesem Tag mit jemandem sprechen zu können. Er beschloss, dem Weißbärtigen zu  vertrauen. Er fing an, dem Männchen sein Leid zu klagen. Von all den Blicken, all den Absagen, seiner Einsamkeit und seiner Angst, keine Arbeit zu finden und nichts zu essen mehr zu haben.  Es sprudelte aus hm heraus und das Männchen hörte ihm gut zu und nickte von Zeit zu Zeit.

Als der junge Mann seine Erzählung beendet hatte, entstand eine Pause, in der der junge Mann, weiter schluchzte und das Männchen sich den Bart rieb und überlegte. „Ich möchte Dir helfen“ sprach er, nahm sein graues Stoffbeutelchen vom Rücken und kramte darin. Er zog schließlich ein kleines Fläschchen heraus und hielt es dem jungen Mann mit seinen faltigen Händen vor die Nase. „Diese Tinktur beseitigt die Narbe in Deinem Gesicht. Tragt sie drei Tage hintereinader bei Sonnenaufgang auf die Narbe auf und sie wird verschwinden“. „Ich habe aber kein Geld“ antwortete der Junge Mann leise und voller Hoffnung. „Das macht nichts. Ich wusste, dass ich Dich hier treffen würde und habe die Tinktur für Dich gebraut. Sie gehört also schon Dir.“ Der junge Wanderer nahm das Fläschchen in die Hand und schaute die grünliche dicke Flüssigkeit darin interessiert an. Er war verwundert. Woher wusste das Männchen, dass er ihn hier treffen würde? Und wie konnte er das Fläschchen für ihn brauen, ohne ihn zu kennen? Als er aufblickte, um das Männchen danach zu fragen, war es verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Er setzte sich wieder auf seine Decke, wartete, ob das Männchen wiederkommen würde und nickte nach einiger Zeit ein.

 

Als er aus dem Schlaf aufschreckte, ging gerade die Sonne über der Stadt auf. Er war sich nicht mehr sicher, ob er von dem Männchen nur geträumt hatte und rieb sich die Augen. Doch tatsächlich: Neben ihm lag das kleine Fläschchen mit der grünlichen Tinktur. „Zu verlieren habe ich nichts“ dachte er, griff zum Fläschen und rieb sich eine reichliche Portion der würzig riechenden Tinktur auf seine Narbe.

Mit gesenktem Kopf machte er sich auf den Weg zum Marktplatz, um etwas Essbares zu finden. Arbeit suchen könnte er immernoch in drei Tagen. Wenn seine Narbe tatsächlich verschwunden sein sollte.

Als er an einem kleinen Krämerladen vorbeikam, sah er in einem Körbchen im Laden leckeres Brot liegen und das Wasser lief ihm im Mund zusammen. Er blieb stehen, schloß die Augen und genoß den Duft aus dem Laden. Sein Hunger wurde immer größer.  Als er die Augen wieder aufmachte, stand ein junges Mädchen vor ihm. Sie hielt ein Stück von dem Brot in der Hand und hielt es ihm hin „Sie sehen so hungrig aus. Nehmen Sie das Brot. Es wird Ihnen guttun“. Sie lächelte und sah ihm direkt und offen in die Augen. „Hat sie meine Narbe garnicht gesehen?“ fragte sich der junge Mann „Oder ist sie etwa schon garnicht mehr da?“. Mit dem Gedanken, seine Narbe könnte schon verschwunden oder wenigstens schwächer geworden sein, grinste er selbstsicher zurück und sprach „Sie haben mir soeben das Leben gerettet, junge Frau. Wie kann ich das wieder gutmachen?“. Sie lachte nur hell auf und drehte sich um. Als Sie über ihre Schulterzu ihm zurückblickte, sagte sie nur: „Beehren Sie uns bald wieder“.

Beschwingt von dieser angenehmen Begegnung verbrachte der junge Wanderer den Tag in der Stadt, lief neugiereig durch die Gassen, besuchte die Kirche, spazierte umher und dachte an das Mädchen in dem Laden. So sah er keinen der furchtsamen Blicke mehr, die ihm die Menschen um ihn herum immernoch zuwarfen.

 

Nach einer erneuten Nacht in seiner Eck in der Gasse schmierte er sich wieder die Tinktur auf sein Gesicht. Schnurstracks lief er zu einer Wiese vor den Toren der Stadt, pflückte ein paar Blumen und rannte schnell zu dem Laden, wo er das Mädchen stehen sah, wie sie ein paar Kunden Lebensmittel verkaufte. Er lächelte, als er ihre Freundlichkeit und Herzlichkeit bemerkte. „Habet Ihr wieder Hunger?“ fragte sie ihn bald freundlich und warf ihm ein Stück Brot zu. Er fing das Brot auf und antwortete schnell: „Ich bin hier um Ihnen Blumen zu bringen, zum Dank für das Brot“.  Mit leuchtenen Augen nahm sie den Strauß entgegen und der junge Mann sah ihr an, dass sie sich freute. „Wartet, ich hole meinen Mantel und wir gehen ein Stück spazieren“ rief sie und verschwand durch eine kleine Tür in einen Hinterraum des Ladens. Er sah an der anderen Seite des Ladens einen Spiegel hängen und lief schnell dorthin, um einen Blick hineinzuwerfen und zu sehen, wie die Narbe sich schon verkleinert hatte. Und wie beim ersten Mal schreckte er zurück, als er sich selbst betrachtete. Die Narbe war weder kleiner noch schwächer geworden. Sie war so groß wie eh und je. Warum hatte das Mädchen dann Interesse an ihm gefunden? Warum war sie nicht abgeschreckt von ihm?

Schon war sie wieder bei ihm, nahm seine Hand und zusammen liefen sie durch die Stadt. Sie fragte ihn, woher er komme, was er machen wolle, wovon er träume. Sie sprachen über  ihn und über sie, sie träumten gemeinsam und er vergaß seine Narbe und konnte so selbstbewust sein wie früher. Zum Abschied küsste sie ihn auf die Wange und flüsterte „Ich freue mich auf morgen, wenn Du wiederkommen möchtest. Ich mag Dich“.

Langsam lief der junge Mann zu seiner Gasse zurück. Er war glücklich und schlief schnell ein. Er träumte von ihr und ihrem Lächeln. Außerdem sah er im Traum das Männchen vor sich. Es tauchte mit seiner Laterne in der Gasse auf, blickte streng und forderte ihn auf, über seinen nächsten Schritt sehr gut nachzudenken.

 

Als die Sonne aufging, wurde er wach. Er griff zur Flasche mit der Tinktur. Heute war der dritte Tag in Folge, seine Narbe sollte heute verschwinden, wenn die Rezeptur wirkte. Das Männchen hatte ihm im Traum beschworen, gut nachzudenken, was er tun wollte. Ihm gingen die verschiedensten Gedanken durch den Kopf. Wenn die Narbe weg wäre, würde er bestimmt leichter eine Arbeit finden. Was aber, wenn er auf einmal ganz anders aussehen würde – würde das Mädchen in überhaupt erkennen? Sie hatte gestern gesagt, sie möge ihn. Da hatte er die Narbe noch. Er war hin- und hergerissen, was nun zu tun sei. Schließlich dachte er an die Worte des alten Bauerns auf dem grünen Hügel: „Lass Dir niemals einreden dass Du schlechter bist als die anderen, nur weil Du anders bist. Du bist wie Du bist, bleib genauso“.

 

Er hatte seinen Entschluß getroffen. Er lief zur Stadtmauer unter der der große Fluß verlief und warf das kleine Fläschen in den Fluß. „Ich bin wie ich bin“ murmelte er dabei leise.

Er machte sich auf zu dem Laden und zu dem Mädchen, dass ihn freudestrahlend begrüßte, ihm eine Hand reichte und die seine gut festhielt. „Ich habe eine gute Nachricht für Dich. Gestern habe ich meinem Vater von Dir erzählt, von Deiner Ausbildung, Deiner Herkunft und Deinen Träumen. Du kannst für ihn arbeiten und die Ware aus unserem Laden ein- und ausladen, Botengänge erledigen und allerlei Reparaturen erledigen. Er kann Dir nicht viel bezahlen, aber Du bekommst das kleine Zimmer unter dem Dach und zu essen“.

Der junge Wanderer konnte sein Glück kaum fassen. Er war sich sicher, jetzt seinen Platz gefunden zu haben. Er wollte sofort mit der Arbeit beginnen, und lief schon los als er ihr zurief: „Ich hole nur noch meine Sachen“.

Als er in der kleinen Gasse ankam und seine Decke und seinen Beutel holen wollte, sah er an der Ecke das kleine Männchen stehen. Es winkte ihm freundlich zu. Der Junge freute sich sehr, es zu sehen und lief auf das Männchen zu um sich zu bedanken. Doch das Männchen winkte nur ab und seine Augen blickten gütig als es sprach: „Ich habe Dir gesagt, dass die Tinktur für Dich ist. Sie war eine Verlockung und zugleich eine Prüfung. Du hast bewiesen, dass Du zu Dir selbst stehst. Das ist das Wichtigste. Deinem Glück steht nichts mehr im Wege.“

Als hätte es ich in Luft aufgelöst, war es mit einem mal hinter der Ecke verschwunden. Der junge Mann wollte ihm noch viel erzählen, von dem Mädchen und der neuen Arbeit, doch das weißbärtige Männchen war weg. Wie vom Erdboden verschluckt.

Er setzte sich kurz auf den Boden und wartete. Als nichts geschah, packte er seine Sachen und lief zurück zum Laden.

 

Er lernte den Vater des Mädchens kennen, der ihn freundlich begrüßte und ihm seine ersten Aufgaben gab. Er fing sofort an die neue Ware in die Regale zu räumen und einige losen Bretter im Boden zu befestigen. Mit Schaffensfreude ging der junge Mann an seine Arbeit und erfreute die Familie mit seinem Fleiß, seinem Geschick und seiner Kraft. Tagein, tagaus arbeitete er in dem Laden und war bald bei allen akzeptiert und gerne gesehen. In der Pause spazierte er mit dem Mädchen durch die Stadt und sie sprachen über ihre Träume, die sich mit der Zeit immer ähnlicher wurden.

 

Bald heiratete er das Mädchen und mit ihr zusammen erfüllte er sich seinen Lebenstraum: Er wanderte mit ihr zusammen zurück in seine Heimat. Sechs Tage liefen sie durch grüne Täler und über zahlreiche Hügel, sie trafen auf viele Kühe, von denen sie Milch bekamen, auf Hühner, die ihnen Eier gaben und auf Schaafe, die ihnen Wärme spendeten.

 

Als sie an dem Bauernhof ankamen, war die Wiedersehensfreude sehr groß. Der alte Bauer lächelte den jungen Mann an. „Junge, ich bin stolz auf Dich, denn Du hast alles richtig gemacht“. Als der junge Mann ihn anblickte, mit seinem weißen Bart und inzwischen vom Alter gebückt, da erkannte er etwas von dem Männchen in der Stadt in ihm wieder.

 

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie weiter glücklich mit den Tieren und der Natur auf dem kleinen Bauernhof auf dem grünen Hügel.

29.9.13 16:36

Letzte Einträge: Hoffnung, Sonntags, Wut

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Gitta (30.9.13 14:08)
Ein wirklich schönes Märchen, das solltest du aufheben für deine Tochter{Emotic(applause)


Olivia (9.10.13 11:32)
Da hast du ein wunderschönes Märchen geschrieben. Konnte richtig träumen dabei. Liest sich sehr rund!

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